 |
Die geraten ins Dunkel, die sich nur mit der Erkenntnis des Endlichen beschäftigen, aber die geraten in ein noch größeres Dunkel, die sich nur mit der Erkenntnis des Unendlichen beschäftigen. Die geraten ins Dunkel, die nur nach dem Vergänglichen streben. Aber die geraten in ein noch tieferes Dunkel, die nur nach dem Ewigen streben. Wer da weiß, daß Vergängliches und Ewiges eins sind, der überschreitet den Abgrund des Todes
Upanishaden
Die Auseinandersetzung mit dem Tabuthema-Tod ist eine der wichtigen Grundlagen eines erfüllten Lebens. Wer sich ihm stellt, gewinnt wichtige Einsichten in die Grundlage alles Lebens, die Zyklen von Werden und Vergehen, Tod und Wiedergeburt, das Shiva-Prinzip der Transformation. Das Geschenk dessen ist ein tiefes Vertrauen in und die Freude über das Leben mit all seinen Facetten und Zyklen: Freiheit!
Der bevorstehende Tod eines wichtigen Lehrers und Freundes wie Frank Natale beinhaltet damit für alle, die sich aktiv damit auseinandersetzen, das Geschenk einen neues Bezuges zum Leben - eine der zentralen Botschaften der Arbeit von Frank Natale.
Zugleich verschafft uns die Beschäftigung mit dem Prozeß des Todes ein Verständnis über die Abläufe dieser großen Transformation. Sie zu kennen ermöglichst uns, inniglich mit dem Menschen der diese Reise unternimmt verbunden zu sein und ihn auf diese Weise dabei zu unterstützen.
Die folgenden Texte liefern dazu Hintergründe:
Die Kunde vom Tod ist entnommen dem anthroposophischen Buch Das Ereignis des Todes von Johannes Lenz. Es beschreibt u.a. die Erfahrungen des Arztes George G. Richie, der nach der Erfahrung seines klinischen Todes, 1943, im Sterbezimmer des Krankenhauses eindrucksvolle Erfahrungen davon hatte, was danach geschieht, und diese in dem Buch, Rückkehr von Morgen, Return from Tomorrow niedergeschrieben hat
Markus Klepper
Die Kunde vom Tod
„Ich war Ich, hellwach nur ohne Körper, mit dem ich mich sonst bewegte".
Er taucht in die Welt des Lichtes ein.
„Ich war voller Erstaunen, wie die Helligkeit zunahm. Sie kam von irgendwo her und schien überall gleichzeitig zu sein... Jetzt sah ich, daß es nicht ein Licht war, sondern ein Mann, der den Raum betreten hatte, oder vielmehr ein Mann aus Licht ..."
Mit der Wahrnehmung des Lichtwesens vernimmt er in sich die Weisung „Steh auf!" Er fühlt, daß er dem vollkommensten menschlichen Wesen gegenübersteht, dem er je in seinem Leben begegnet war. Und er erfährt Liebe.
„Diese Person war selbst Kraft, älter als die Zeit und dennoch moderner als irgend jemand, dem ich jemals begegnet war. Über allem wußte ich mit der selben wunderbaren inneren Gewißheit, daß dieser Mann mich liebte. Weit größer als die Kraft, die von seiner Gegenwart ausströmte, war die bedingungslose Liebe."
Das Lichtwesen überschaut sein Leben.
„Wenn ich sage, er wußte alles über mich, dann war das ganz einfach eine sichtbare Tatsache."
Sein inneres Erleben geht über in das Schauen des Lebenspanoramas.
„Denn gleichzeitig mit seiner strahlenden Gegenwart ... war in diesem Raum jede einzelne Epoche meines Lebens eingetreten. Alles, was um mich herum geschehen war, war einfach da, in voller Sicht, gleichzeitig und fließend, so als ob in einem Moment alles zu gleicher Zeit stattfinden konnte. Wie es möglich war, wußte ich nicht. Nie zuvor hatte ich in solch einem Lebensraum, in dem ich nun zu sein schien, Erfahrungen gesammelt. Das kleine Einbettzimmer war immer noch sichtbar, aber es engte uns nicht länger ein. Dagegen war an allen Seiten um uns herum etwas, was ich nur mit einer Art Wandgemälde bezeichnen könnte - nur das die Gestalten dreidimensional waren, sich bewegten und sprachen. In unendlicher Geschwindigkeit rollten die Bilder des verflossenen Lebens an mir vorüber, hunderte, tausende alle beleuchtet von dem brennenden Licht, in einem Zustand, in dem die Zeit anscheinend stillstand. Es hätte in normaler Zeit Wochen gebraucht, um nur einen flüchtigen Blick auf die vielen Ereignisse zu werfen, und dennoch hatte ich nicht den Eindruck, daß überhaupt Minuten vergingen ..."
Die Rückschau über das eigene Erleben erweckt die Frage, die in jeder Szene gegenwärtig war, „Was hast du aus deinem Leben gemacht? Was kannst du mir zeigen?" Und wenn in der leibfreien Seele sich die Frage erhebt, wie man hätte wissen können, was der Sinn des Lebens und die Tiefendimension des Lebens seien, so daß man aus ihm wirklich etwas machen könne, hört man auch die innere Antwort:
„Ich sage es dir durch das Leben, das ich lebte. Ich sage es dir durch den Tod, den ich starb."
Ihm wird nicht nur die beseligende Lichterfahrung des Wesens offenbar, dem die Menschenseele im Augenblick des Todes gegenübersteht, sondern er erfährt auch etwas von dem kamaloka oder dem Fegefeuer, wie es die christliche Tradition nennt, in dem Seelen ihre Erdgebundenheit überwinden und reinigen müssen, bis ihnen ebenfalls das Licht zur Erfahrung wird.
Die Wissenschaft der Thanatologie, die sich mit der Kunde von Tod befaßt, sieht als gesichert an,
-
daß der Augenblick des Todes zu einem majestätisch großen Erlebnis führen kann, das zu einer Erfahrung des Lichtwesens führt, das die Christen Christus nennen
-
daß das menschliche Ich als Kern der Persönlichkeit über den Tod hinaus fortbesteht
-
daß eine Zeit nach dem Tod verbunden ist mit ernsten und schweren Erlebnissen, die mit der Aufarbeitung des Erdenlebens und Katharsis-Erfahrungen kamaloka verbunden ist
Das Ereignis des Todes, Johannes Lenz
|
 |